Dieses Mal ein kleiner Post außerhalb unseres Tandemprojekt. Nicole hat mich heute gefragt, ob sich denn eine Schneiderpuppe lohnt und weil ich dazu auch eine Meinung habe, die sich über die Zeit um 180°drehte, hier meine Entwicklung dazu.
Meine Schwiegermutter hatte kurz nach dem Beginn meiner Nähleidenschaft gemeint, "ah, dann brauchst du ja bald auch eine Schneiderbüste!" und mein erster Gedanke war, ach was, ich werde eh nie für mich nähen. Das ist doch alles krumm und schief und dann einen passenden Schnitt zu finden, der meine 160cm gut zur Geltung bringt, neee, das wird nix. Das wäre zum Fenster herausgeworfenes Geld.
Ein paar Monate gehen ins Land und ich stellte fest, dass ich doch tatsächlich auch gerade nähen kann. Außerdem stelle ich fest, dass man so als Außenstehender auch nie sofort die Fehlerchen sieht, sondern meistens nur beeindruckt zu sein scheint, wenn das Kind mal eine selbst genähte Hose oder Mütze näht. Also dacht ich eines Tages, okay ich teste mal ein Shirt für mich. Nehme einfach den Schnitt von einem alten T-Shirt ab und dann wird das schon. Zum Glück gibt es ja im Internet genug
Anleitungen. Und was soll ich sagen? Es klappt. Es klappt leider so gut, dass meine kleine Schwester das neue Stück sofort in ihrem Kleiderschrank verschwinden lässt. Na gut, dann hab ich noch ein kostenloses normales
Shirt probiert. Hier musste ich deutlich mehr ändern - Taille weiter nach oben, insgesamt kürzen und dann doch wieder verlängern, doch noch ein bisschen enger auf Brusthöhe und et voila, schon wieder ein neues Stück für den Kleiderschrank meiner kleinen Sis. So war das nicht gedacht :-) Auf jeden Fall hatte ich dann zwei gut passende Shirtschnitte für mich und trotzdem war auf Nachfrage, ob denn nicht der Weihnachtsmann einen Büst bringen soll "Nein" immer noch meine Antwort. Schließlich ging's ja auch ohne und das Geld wäre deutlich besser in Stoff investiert.
Aber dann.. dann hab ich aus der örtlichen Bibliothek eine Burdazeitschrift ausgeborgt und dieses obercoole und trotzdem schicke und bürotaugliche
Shirt gefunden und genäht, aus apfelgrün-dunkelblau gestreifter Viskose und die kleine Sis nimmt es tatsächlich wieder mit nach Hause. Dann hab ich das gleiche Shirt noch mal für mich in normalem Baumwolljersey genäht und dann, ja dann kam mein Umdenken. Der Kragen, der war ja völlig falsch. Viel zu viel Stoff. Das fiel beim ersten Mal nicht auf, weil Viskose einfach fällt. Meine Versuche mir den Stoff im Nacken selbst anzustecken hab ich nach 45min aufgegeben. Mein liebster Göttergatte sollte dann ran, aber naja was soll ich sagen?! Er konnte machen, was er wollte, es war gut, aber nicht hinreichend perfekt. Meine kleine Sis war nicht verfügbar und so war ich dann zwar fertig, aber doch nicht 100% zufrieden.
Mein Geburtstag nahte und ich ahnte es nicht. Doch dann stand sie da, angezogen mit selbst genähtem Rock, einem ausrangierten Shirt und einem Gürtel aus Stoff. Mein Göttergatte hatte sie gekauft und bei uns einziehen lassen - SUSI! Ach was bin ich heute glücklich sie zu haben! Ich hab inzwischen auch drei Sommerkleider für mich genäht und dabei war sie mir schon eine große Hilfe! Bei einem neuen Schnitt, kann ich diesen direkt anstecken - einfach so - Voodopuppe Susi überlebts und ich weiß Bescheid, ob ich an der Länge noch etwas ändern muss oder an der Hüfte oder Taille. Super praktisch! Auch fertig genähte Teile kann ich Susi anprobieren lassen und sofort den Stoff abstecken, ab damit unter die Nähmaschine und ich bin glücklich. Das klappt übrigens nur, weil mein Göttergatte in das
höherwertige Modell investiert hat - mit anpassbaren Maßen. Ein kleiner Tipp noch. Wenn ihr an der Grenze seid, zwischen zwei Größen, dann nehmt das kleinere Model. Der Büste könnt ihr noch etwas anziehen, um auf eure Maße zu kommen, abschneiden oder schleifen klappt nicht ;-) Wenn man gerne bastelt, kann man sich auch selbst modellieren. Wie das geht, erklärt
Burda.
So, um auf Nicole's Frage zurück zu kommen: Ja, die Schneiderbüste ist ein super duper Weihnachtswunsch, wenn man auch für sich selbst nähen möchte!!!!